Lernmethoden im Faktencheck: Was für Prüfungen wirklich funktioniert
Vom Braintoll-Team · · 7 Min. Lesezeit
Kurz gesagt
Am besten belegt sind zwei Lernmethoden: dich selbst abfragen und den Stoff über mehrere Tage verteilen. Eine große Übersichtsarbeit zu zehn verbreiteten Lerntechniken hat nur diese beiden als sehr wirksam bewertet. Nochmal lesen, Markieren und Zusammenfassen landeten ganz unten. Für Prüfungen heißt das: Übungsaufgaben, Altklausuren und Karteikarten statt Skript lesen, jedes Thema mehrmals mit ein paar Tagen Abstand wiederholen, Aufgabentypen mischen. Nach einem Lerntyp musst du dich dabei nicht richten.

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Wer nach Lernmethoden sucht, findet lange Listen: Mindmaps, Karteikarten, PQ4R, Loci-Methode, Zusammenfassungen, Lernen nach Lerntyp. Meist stehen alle gleichberechtigt nebeneinander, als müsstest du nur die passende für dich finden.
Dabei ist ziemlich gut erforscht, welche Lernmethoden wirken und welche vor allem so wirken, als ob. Dieser Ratgeber sortiert die bekanntesten nach der Beweislage und zeigt, wie du die besten davon in der Woche vor einer Prüfung einsetzt.
Lernmethoden im Überblick: Was die Forschung sagt
2013 haben John Dunlosky und vier Kolleginnen und Kollegen hunderte Studien zu zehn verbreiteten Lerntechniken ausgewertet. Sie bewerteten jede danach, wie zuverlässig sie wirkt, über verschiedene Lernende, Fächer und Prüfungsformen hinweg:
| Lernmethode | Was du dabei machst | Bewertung |
|---|---|---|
| Selbst abfragen | Antworten aus dem Gedächtnis holen: Karteikarten, Übungsaufgaben, Altklausuren | Hoch |
| Verteiltes Lernen | Lernen auf mehrere Tage und Wochen verteilen statt alles auf einmal | Hoch |
| Gemischtes Üben | Verschiedene Themen oder Aufgabentypen in einer Einheit mischen | Mittel |
| Warum-Fragen | Dich bei jedem Fakt fragen, warum er stimmt, und antworten | Mittel |
| Selbsterklärung | Dir erklären, wie Neues mit dem zusammenhängt, was du schon weißt | Mittel |
| Zusammenfassen | Das Gelesene in eigenen Worten zusammenfassen | Gering |
| Markieren | Wichtige Stellen anstreichen | Gering |
| Schlüsselwort-Methode | Ein Wort mit einem einprägsamen Bild verknüpfen (Eselsbrücke für Vokabeln) | Gering |
| Bilder vorstellen | Sich beim Lesen Bilder zum Text vorstellen | Gering |
| Nochmal lesen | Skript oder Buch erneut durchlesen | Gering |
„Gering“ heißt nicht nutzlos. Wer gut zusammenfassen kann, profitiert davon, und Eselsbrücken helfen bei einzelnen Vokabeln oder Reihenfolgen. Aber diese Methoden wirken weniger zuverlässig und in weniger Situationen als die beiden oben, die in fast jedem Fach, Alter und Prüfungsformat helfen.
Und die anderen bekannten Lernmethoden?
Einige Methoden, die in fast jeder Liste stehen, hat die Übersichtsarbeit nicht untersucht. So lassen sie sich einordnen:
- Karteikarten sind Selbst-Abfragen, solange du antwortest, bevor du die Karte umdrehst. Umdrehen und nicken ist nur Lesen mit Extraschritt. Welche App dafür passt, zeigt der Vergleich der Karteikarten-Apps.
- Die Feynman-Methode, ein Thema so einfach erklären, als würdest du es einem Anfänger beibringen, ist eine Form der Selbsterklärung.
- Mindmaps helfen, einen Überblick über ein Thema zu bekommen. Dass man sich damit besser erinnert als durch Abfragen, ist nicht belegt.
- PQ4R und SQ3R sind Leseverfahren. Ihr wirksamster Teil ist der Schritt, in dem du das Gelesene ohne Text wiedergibst, also wieder das Selbst-Abfragen.
- Die Loci-Methode (Gedächtnispalast) funktioniert gut für Listen und Reihenfolgen, braucht aber Übung und hilft wenig beim Verstehen.
- Die Pomodoro-Technik ist eine Art, Pausen zu planen, keine Lernmethode. Nutz sie, wenn sie dich bei der Sache hält.
Lerntypen: Warum du deinen nicht kennen musst
In Deutschland lernt man in der Schule oft, dass es visuelle, auditive, haptische und kommunikative Lerntypen gibt, und dass man nach seinem Typ lernen sollte. Das klingt einleuchtend, ist aber nicht belegt. Harold Pashler und Kollegen haben 2008 die Forschung dazu ausgewertet und keine ausreichende Grundlage dafür gefunden, Lernmethoden nach einem Lerntyp auszuwählen.
Was stimmt: Menschen haben Vorlieben, und manche Inhalte lassen sich besser über Bilder, andere besser über Sprache lernen. Richte die Methode deshalb nach dem Stoff, nicht nach deinem Typ: Abläufe als Skizze, Rechenwege als Übungsaufgaben, Vokabeln als Karteikarten. Und frag dich selbst ab, egal welcher Typ du zu sein glaubst.
Warum sich Nochmal-Lesen so gut anfühlt
Ein klassisches Experiment von Henry Roediger und Jeffrey Karpicke zeigt die Falle. Studierende lernten einen kurzen Text in vier Einheiten. Die einen lasen ihn viermal. Die anderen lasen ihn einmal und schrieben danach dreimal auf, was sie noch wussten.
Fünf Minuten später lagen die Vielleser vorn, und sie waren sich sicherer, den Text auch in einer Woche noch zu können. Eine Woche später war es umgekehrt: Die Vielleser wussten noch 40 Prozent, die Gruppe, die sich selbst abgefragt hatte, 61 Prozent.
Wiederholtes Lesen macht den Stoff vertraut, und Vertrautheit fühlt sich an wie Wissen. In der Klausur liegt der Text aber nicht vor dir. Du musst die Antwort aus dem Gedächtnis holen, und genau das übst du beim Abfragen. Mehr dazu im Ratgeber zu Active Recall.
Die wirksamen Lernmethoden in der Praxis
Selbst abfragen statt lesen
Buch zu, dann antworten. So geht’s:
- Altklausuren und Übungsaufgaben, am besten unter Prüfungsbedingungen.
- Karteikarten mit einer Frage vorn, laut oder schriftlich beantwortet, bevor du umdrehst.
- Leeres Blatt: Schreib alles auf, was du zu einem Thema weißt, und prüf danach, was fehlt.
- Überschriften als Fragen: Mach aus jeder Überschrift im Skript eine Frage und beantworte sie, ohne hinzusehen.
Falsche Antworten gehören dazu. Auch ein gescheiterter Versuch, nach dem du die richtige Antwort siehst, festigt das Wissen.
Den Stoff über Tage verteilen
Wiederhol jedes Thema mehrmals mit Abstand, statt es in einer langen Sitzung durchzuziehen. In den Pausen vergisst du ein wenig, und wer etwas halb Vergessenes wieder hervorholt, behält es besser. Ein einfaches Schema: Thema lernen, am nächsten Tag wiederholen, ein paar Tage später wieder und noch einmal kurz vor der Prüfung. Warum das funktioniert, erklärt der Ratgeber zu Spaced Repetition. Wie du die Wiederholungen in einen Kalender bekommst, zeigt Lernplan erstellen, mit kostenloser Vorlage.
Aufgabentypen mischen
Kommen in deiner Prüfung Rechenaufgaben vor, rechne nicht zwanzig Aufgaben eines Typs und dann zwanzig vom nächsten. Misch sie. Geblocktes Üben fühlt sich flüssiger an, weil du schon vor dem Lesen weißt, welcher Lösungsweg dran ist. In der Klausur weißt du das nicht. In einer Studie von Doug Rohrer und Kelli Taylor schnitten Studierende, die geblockt übten, beim Üben besser ab. Im Test eine Woche später lagen die, die gemischt geübt hatten, deutlich vorn.
Warum fragen und dir selbst erklären
Frag dich bei jedem Fakt, warum er stimmt. Erklär dir bei jedem Schritt einer Lösung, wie er aus dem vorigen folgt. Beides verknüpft Neues mit dem, was du schon weißt. Genau diese Verknüpfungen brauchst du bei Klausuraufgaben, die du so noch nicht gesehen hast.
Lernmethoden für Prüfungen: die letzten 7 Tage
Hast du etwa eine Woche, bringt diese Reihenfolge die wirksamsten Methoden nach vorn:
| Tag | Was du tust |
|---|---|
| 7 | Eine Altklausur oder einen Übungstest ohne Vorbereitung schreiben. So siehst du, wo es hakt. |
| 6 | Die zwei, drei schwächsten Themen durcharbeiten: lernen, dann selbst abfragen. |
| 5 | Die nächsten schwachen Themen. Die Themen von Tag 6 kurz aus dem Gedächtnis wiederholen. |
| 4 | Gemischte Übungsaufgaben quer durch alle Themen. Jeden Fehler als Karteikarte festhalten. |
| 3 | Zweite Altklausur unter Prüfungsbedingungen. |
| 2 | Fehler und Karteikarten durchgehen. Alles einmal aus dem Gedächtnis wiederholen. |
| 1 | Nur noch die Karteikarten. Sachen packen, am frühen Abend aufhören, schlafen. |
Hast du mehr als eine Woche, fang mit einem Lernplan an und nimm diese Woche als die letzte.
Die Nacht vor der Klausur
Lern keine neuen Themen mehr. Geh deine Karteikarten oder deine Fehlerliste einmal durch, dann hör auf.
Schlaf zählt, vor allem der in den Wochen davor. In einer Studie am MIT von 2019 haben Kana Okano und Kollegen den Schlaf von Studierenden eines Chemiekurses mit Fitness-Armbändern gemessen. Wer in der Woche und im Monat vor einem Test länger, besser und regelmäßiger schlief, hatte bessere Noten. Für die einzelne Nacht davor zeigte sich kein klarer Zusammenhang. Eine durchgemachte Nacht rettet also kein Semester, eine gute Nacht allein aber auch nicht. Was hilft, ist regelmäßiger Schlaf in der ganzen Prüfungsphase.
Das Handy aus der Lernzeit heraushalten
Jeder Blick aufs Handy unterbricht genau die Konzentration, die das Selbst-Abfragen braucht. Schalte Benachrichtigungen stumm, leg das Handy außer Reichweite und sperr die Apps, die du ohne nachzudenken öffnest. Welche Apps dafür in Frage kommen, steht im Ratgeber zur Handy-Ablenkung beim Lernen.
Braintoll macht aus dem Handy selbst eine Abfrage. Du erstellst Karteikarten aus deinem Prüfungsstoff oder lässt sie von der KI aus Vorlesungsfolien, Skript oder PDF erstellen (so geht’s). Öffnest du dann Instagram, TikTok oder eine andere App, die du ausgewählt hast, kommen zuerst ein paar dieser Karten. Geplant werden sie mit Spaced Repetition. So passieren die beiden am besten belegten Lernmethoden genau in den Momenten, in denen du sonst scrollen würdest. Braintoll ist für eine App kostenlos, für Android und iPhone.
Häufige Fragen
Welche Lernmethode ist die beste?
Am besten belegt sind Selbst-Abfragen und verteiltes Lernen. Eine große Übersichtsarbeit zu zehn verbreiteten Lerntechniken hat nur diese beiden als sehr wirksam bewertet. Konkret: Übungsaufgaben, Altklausuren oder Karteikarten statt Nochmal-Lesen, und jedes Thema mehrmals mit ein paar Tagen Abstand wiederholen.
Welche Lernmethoden gibt es?
Zu den bekanntesten gehören Karteikarten, Übungsaufgaben und Altklausuren, verteiltes Lernen, gemischtes Üben, Zusammenfassungen, Markieren, Mindmaps, Eselsbrücken, die Loci-Methode, die Feynman-Methode und Leseverfahren wie PQ4R. Sie wirken sehr unterschiedlich gut. Am stärksten sind die, bei denen du Wissen aus dem Gedächtnis abrufen musst.
Was ist der Unterschied zwischen Lernmethoden und Lerntechniken?
Im Alltag werden beide Begriffe meist gleich verwendet. Wer sie trennt, meint mit Lernmethode das übergeordnete Vorgehen, etwa verteiltes Lernen, und mit Lerntechnik das konkrete Werkzeug, etwa Karteikarten oder eine Mindmap.
Welcher Lerntyp bin ich?
Für deinen Lernerfolg spielt das kaum eine Rolle. Es gibt keine gute Beleglage dafür, dass Menschen besser lernen, wenn der Stoff zu einem visuellen, auditiven oder anderen Lerntyp passt. Wähl die Methode nach dem Stoff und nach der Prüfung, und frag dich in jedem Fach selbst ab.
Wie lernt man am effektivsten für eine Klausur?
Fang mindestens eine Woche vorher an, schreib zuerst eine Altklausur, um deine Lücken zu finden, und arbeite dann die schwachen Themen mit Selbst-Abfragen durch. Wiederhol jedes Thema mehrmals mit Abstand, misch die Aufgabentypen und schreib kurz vor der Prüfung eine zweite Altklausur. Für größere Prüfungen lohnt sich ein Lernplan über mehrere Wochen.
